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Der Aurlandsfjord beeindruckt mit seiner klaren, fast grafischen Linienführung und den bis zu über 1.800 Meter aufragenden Berghängen, die steil und eindrucksvoll zum tiefblauen Wasser hinabfallen. Während der Fahrt eröffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf kleine Dörfer und einzelne Höfe, die sich an schmale Uferstreifen und sonnige Berghänge schmiegen. Zahlreiche Wasserfälle stürzen über die Felswände und zerstäuben kurz vor der Wasseroberfläche zu feinem Nebel. Mit jeder Kurve verändert sich das Landschaftsbild, mal wirkt der Fjord weit und ruhig, dann wieder eng und dramatisch. Der Aurlandsfjord ist rund 18 Kilometer lang, an seiner schmalsten Stelle nur etwa 250 Meter breit und erreicht Tiefen von bis zu 500 Metern. Als Seitenarm des mächtigen Sognefjords führt er direkt in den längsten und tiefsten Fjord Norwegens hinein. Der Sognefjord erstreckt sich über etwa 200 Kilometer ins Landesinnere und erreicht Tiefen von mehr als 1.300 Metern. Umgeben von gewaltigen Bergmassiven, Gletschern und fruchtbaren Tälern bietet er eine beeindruckende Vielfalt an Landschaftsformen. Während die Fahrt vom engen Aurlandsfjord in die Weite des Sognefjords übergeht, wird der Kontrast besonders spürbar: Die Landschaft öffnet sich, die Berge treten etwas zurück, und der Fjord wirkt ruhiger und großzügiger. Gemeinsam bilden beide Fjorde ein eindrucksvolles Naturerlebnis, das die ganze Bandbreite der norwegischen Fjordlandschaft zeigt.
Um 2 Uhr schaue ich kurz aus dem Fenster. Dunkle Berghänge ziehen an uns vorbei. Man erkennt aber noch nicht viel. Als ich dann um kurz nach 4 Uhr aus dem Fenster schaue, dämmert es bereits, und ich erkenne kleine Ortschaften. Um 6 Uhr stehe ich dann endgültig auf, denn wir haben den Aurlandsfjord fast verpasst. Doch die letzte halbe Stunde können wir mitnehmen und staunen nicht schlecht. Riesige Berghänge, viele Wasserfälle und wundervolle Blicke auf den Fjord. Die schneebedeckten Gipfel runden die Filmkulisse ab.
Der Wind ist aber wirklich eisig, weshalb ich mich in meine Decke einmummele. Eine halbe Stunde später laufen wir in dem kleinen Ort Flam ein.
Eingebettet zwischen steilen Bergen und tiefblauem Wasser wirkt Flåm wie aus einem Bilderbuch, und ist doch ganz real. Das kleine Dorf am Ende des Aurlandsfjord zählt zu den spektakulärsten Reisezielen Norwegens, obwohl hier nur rund 400 Menschen leben.
Was viele nicht wissen: Flåm ist Heimat einer der steilsten Bahnstrecken der Welt, der Flåmsbana, die auf nur 20 Kilometern fast 900 Höhenmeter überwindet. Ein echtes Meisterwerk der Ingenieurskunst. Der Name „Flåm“ stammt aus dem Altnordischen und bedeutet so viel wie „kleine Ebene zwischen steilen Bergen“ – ziemlich treffend für diesen dramatischen Ort. Ein Ort, der klein ist, aber sich anfühlt wie ein ganzes Abenteuer.
Oberhalb von Flåm liegt der Brekkefossen, ein mehrstufiger Wasserfall mit einer gesamten Fallhöhe von rund 100 Metern. Von hier oben hat man einen freien Blick auf den Aurlandsfjord. Historisch wurde der Pfad zum Wasserfall bereits im 19. Jahrhundert genutzt, als wohlhabende Reisende und frühe Touristen nach Flåm kamen, um die norwegische Fjordlandschaft zu erleben. Der Aussichtspunkt bei Brekkefossen gehörte dabei zu den ersten „Panorama-Spots“ der Region. Funfact: Trotz seiner Nähe zum Ort bleibt der Wasserfall vergleichsweise wenig besucht, ein echtes Stück ursprüngliches Norwegen. Das könnte auch daran liegen, dass man circa 500 Höhemeter und 578 Naturstufen erklimmen muss.
Aber von Vorne. Wir gehen ins Marktrestaurant frühstücken und haben einen richtig schönen Blick aus dem Fenster. Anschließend machen wir uns dann auf den Weg vorbei an vielen Souvenirshops zum Wasserfall Brekkefossen. Die Shops wollen wir auf dem Rückweg anschauen, denn gegen Mittag soll es wieder anfangen zu schneien, und wir wollen das gute Wetter nutzen.
Liegt die AIDANova nicht wunderschön hier in dem Fjord?
Wir gehen weiter vorbei an einem Campingplatz und einigen Schafen, die Jungtiere haben. Auf der Nachbarstraße macht sich grade eine AIDA Gruppe auf Wanderschaft, weshalb wir uns lieber beeilen. Aber sie biegen ab. Sie haben offensichtlich ein anderes Ziel. Zum Glück. Dennoch sind einige Leute auf dem Weg zum Wasserfall. Im Abstand von einigen Metern wandern immer wieder Pärchen oder kleinere Gruppen, aber es verläuft sich gut, sodass man seine Ruhe hat.
Mit den Bergen und dem Fluss bekomme ich richtige Österreich-Vibes. Wir laufen an einem Steinbruch und einem kleineren Wasserfall vorbei. Die Häuser nehmen immer weiter ab und werden größer und norwegischer. Also Holzhäuser, die allesamt sehr hübsch aussehen. Die Sonne scheint warm, aber der Wind ist doch noch sehr eisig, weshalb ich mich für eine Mütze entscheide.
Wir kommen an einem Bauernhof vorbei, an dem die Highland-Rinder gehalten werden. Sie haben ein richtig schönes Gelände und liegen so nah an dem Weg, dass man sie gut beim essen und schmatzen beobachten kann. Unser Ziel, den Wasserfall, kann man von hier auch immer wieder erspähen.
Der Eingang zum Wasserfall kommt in Sicht, und ich freue mich. Denn hier steht ein Schild, dass es zum Wasserfall nur 500 Meter sein sollen. Easy. Über steile Serpentinen geht es direkt mal sportlich los, weshalb ich schon die erste Pause einlegen und meine Jacke ausziehen muss. 500 Meter später kommt dann die Ernüchterung. Ein weiteres Schild verrät uns, dass es jetzt immernoch 500 Meter bis zum Wasserfall sind. Offensichtlich galt das 1 Schild dem Zuweg. Na toll.
Ab hier geht es über Natursteintreppen, genauer gesagt, 578 Stück immer weiter nach oben. Und ich muss sagen, ich bin ganz froh, dass ich nicht die einzige unsportliche Person hier bin, denn überall sitzen die Leute am Wegesrand herum und müssen nach Luft schnappen. Da fällt es gar nicht auf, dass ich auch ständig Pause machen muss. Gegen Ende ist es auch wirklich so anstrengend, dass ich nur noch 10-15 Stufen gehe und eine Pause einlege. Getarnt als Filmaufnahmen. Was sollen denn die Leute denken?
Aber ich hab es geschafft und bin oben. Jetzt kommt die Belohnung für die ganze Schufterei.
Von hier oben hat man auch einen tollen Blick über Flam, unser Schiff und den Wasserfall, der keine 50 Meter weit weg ins Tal donnert. Viele Menschen tummeln sich hier und machen Bilder. Auch wir nutzen die Gelegenheit und verewigen diesen Augenblick. Ich bin aber nicht bereit, direkt wieder den Rückweg anzutreten, weshalb wir uns etwas Abseits auf einen Stein setzen und dem Wasserfall zusehen. Grade, als ich ein Hyperlapse-Video mache, kommt ein Typ ins Bild und steckt eine HSV-Fahne ins Gras. Hallo gehts noch? Einmal Fohlen, immer Fohlen. Die Sonne scheint auch noch, was wirklich angenehm ist. Aber es soll in einer Stunde anfangen zu schneien, weshalb wir langsam den Rückweg antreten.
Die Waden sind beim vielen Treppensteigen schon maximal beleidigt, aber ich komme ohne Pause durch, was dann die ganzen Pausen vom Hinweg etwas besser macht. Wir machen einigen Aufsteigern Mut weiterzugehen, da sich der Ausblick wirklich lohnt. Wir nehmen den selben Weg zurück, wie wir gekommen sind. Jetzt sind auf einer anderen Wiese noch mehr Schafe. Die Jungtiere spielen direkt am Zaun und ziehen die Touristen an. Ich bin dann aber doch froh, als das Schiff in Sicht kommt, denn mir tun die Füße schon ordentlich weh.
Wir kommen in Flam an und bummeln durch die vielen Souvenirshops. Es ist krass, wie viele Geschäfte hier angesiedelt sind, aber so ein Schiff macht schon viel an Umsatz aus. Wir sind auch das erste Schiff der Saison, weshalb wahrscheinlich alle froh über die Leute sind.
Die Preise sind entsprechend saftig. Trotzdem kaufe ich mir eine schöne Jogginghose, weil ich meine vergessen habe und Postkarten für die Familie. Direkt gegenüber des Schiffs liegt die Brauerei Flams. Sie hat einen angrenzenden Pub mit Restaurant. Sie liegt in einem Wikingerhaus und ist Innen auch so eingerichtet. Andi bestellt sich ein Probierbrett, mit verschiedenen Bieren und ich entscheide mich für eine Cola. Wir machen es uns am großen Kamin gemütlich. In einem Kreis sind die Plätze angeordnet und es duftet nach Wald. Klar, das hier ist ja auch ein Holzhaus. Während wir unser Getränk genießen, zieht es sich draußen zu und es beginnt leise zu schneien. Wie schön ist das bitte? Letzte Woche waren hier noch 17 Grad, aber das hätte ich nicht gewollt, denn genau so habe ich mir Skandinavien vorgestellt.
Auf dem Schiff angekommen gönnen wir uns erstmal eine Stunde Sauna. Das tut nach dem kalten und anstrengeden Tag wirklich gut. Es ist auch fast nichts los.
Anschließend waschen wir Wäsche, was mittlerweile zur Tradition geworden ist. Andi flitzt dann nochmal bei mittlerweile dickem Schneefall zum Supermarkt. Hier ist es aber sogar teurer als auf dem Schiff. Das finde ich echt krass. Aber woher die Schokolade kommt, ist mir eigentlich auch egal. Ich bin da nicht wählerisch. ;)
Durch den Schneefall sind die Berge richtig angezuckert und irgendjemand hat an Deck einen Schneemann gebaut.
Bis 18:30 Uhr liegen wir noch hier, ehe es Sail-Away für uns heißt und wir Kurs auf Alesund nehmen. Wir freuen uns sehr auf das Welterbe Aurlandsfjord-Passage und im Anschluss den Sognefjord, die wir beide fast verpasst haben.
juleundsocke_auf_reisen
juleschwabphotography
