Register
Gibraltar ist eine britische Enklave an der Südspitze Spaniens, berühmt für seine freilebenden Berberaffen, die einzigen in Europa wild lebenden Primaten, deren Anwesenheit der Legende nach die britische Herrschaft sichert. Der riesige Felsen von Gibraltar ist ein Naturschutzgebiet mit Höhlen wie der St. Michael's Cave, hat eigene Tunnelsysteme aus Kriegszeiten und verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik. Interessant ist auch, dass Gibraltar ein eigenes Pfund hat, (aber britische Pfund akzeptiert) Salzwasser für Toilettenspülungen nutzt und mit dem Bau des Flughafens Land aus dem Felsgestein gewonnen hat. Dieser Flughafen führt einfach über die Hauptstraße, welche bei ankommenden Flugzeugen gesperrt werden muss.
Es gibt das so genannte Hopper Ticket, welches für 6 Pfund die ganze Insel bedient. Hier empfehlen sich die Linien 5 und 10. Die Seilbahn ist ab Anfang 2026 für 2 Jahre gesperrt. Grund sind Renovierungsarbeiten.
Nachdem wir gestern noch in der Prime Time mit unserem ersten Kapitän Boris Becker waren, habe ich richtig gut geschlafen. Dank unserer Lichtbälle von OLight kann man jetzt richtig gut entspannen, ohne volle Deckenbeleuchtung anhaben zu müssen. Und zu unserem Kapitän. Ja, ab Malaga fährt uns jemand anderes durch das Mittelmeer.
In der Nacht schaue ich immer wieder aus dem Fenster. Die spanische Küste zieht die ganze Zeit an uns vorbei, und ich kann Leuchttürme und fahrende Autos erkennen. Beim Einlaufen schaue ich auch kurz nach draußen. Aber das Bett ist dann doch verlockender, weshalb ich mich nochmal eine Stunde aufs Ohr haue.
Als wir dann endgültig aufstehen und die Vorhänge zur Seite ziehen, parkt grade ein Tankschiff neben uns, was uns neuen Sprit bringt.
Beim Frühstück ist einiges los, aber wir finden noch ein Plätzchen.
Frisch gestärkt geht es dann die 1,2Km Fußweg zum Flughafen. 4 von 5 Rabensocken.
Ach ja, da Gibraltar ja so Britisch sein soll, habe ich für mich eine Challange gesetzt. Alles britische finden und fotografieren. Spoilerwarnung, so viel war es gar nicht, was ich gefunden habe. Aber dazu später mehr.
Der Flughafen ist nicht sehr groß, und in der Wintersaison gehen grade Mal 4 Flüge hin und weg und diese auch noch alle nach England. Dafür ist dieser sehr schön gelegen und aufgrund seiner Scherwinde ähnlich anspruchsvoll anzufliegen wie Madeira.
Wir haben Geduld und sehen 2 Maschinen starten.
2 von 5 Rabensocken. Kommen wir nun zu dieser britisch Sache in Kombination mit der Altstadt. Die Altstadt ist eher eine langgezogene Shoppingmeile, in der sich Alkoholläden, Lederläden und Luxusboutiquen aneinanderreihen. Zwischendurch findet sich mal ein Souvenirshop, der billigen Englandplunder verkauft. Noch mehr dazwischen findet man vereinzelt englische Briefkästen, Telefonzellen, oder Mülleimer, die aber wirklich fehlt am Platz wirken. Schade. Und obwohl es in Gibraltar unzählige Telefonzellen gibt, prügeln sich die Touristen um einige wenige in der Stadt.
Wir nutzen aber die Einkaufsstraße, welche übrigens aus allen Nähten mit Menschen platzt, sowieso nur, um zum 1,8 Km entfernten Botanischen Garten zu kommen. Dieser ist zwar nicht allzu groß, dafür aber sehr gut gepflegt und kostenfrei. Wenn man gemütlich geht, ist man in 30-60 Minuten durch. Trotzdem 5 von 5 Rabensocken.
Die Alameda Gardens wurden 1816 von Vizegouverneur Sir George Don gegründet, der als erster Kommandant in Gibraltar seit 1704 bedeutende Mittel für das öffentliche Wohlbefinden bereitstellte. Die ursprüngliche Anlage ist weitgehend erhalten geblieben und eine Reihe von Kanonen und Skulpturen, die teilweise unter Denkmalschutz stehen, zeugen vom Alter der Gärten und Gibraltars bedeutender Militärgeschichte. In den 1970er Jahren verfielen die Alameda Gardens allmählich. 1991 wurden sie schließlich saniert und in einen Botanischen Garten umgewandelt. Der Begriff Alameda leitet sich vom spanischen Wort „Alamo“ (Pappel) ab. Er wird häufig verwendet, um Promenaden zu beschreiben, die von Pappeln oder anderen Bäumen gesäumt sind.
Felsen von Gibraltar. 5 von 5 Rabensocken. 1993 wurden gut 40 % der Landfläche Gibraltars zum Naturschutzgebiet erklärt. Dies ist praktisch der ganze Felsen. Als Besonderheit gelten die Berberaffen, die auf dem Felsen leben. Sie sind die einzigen wildlebenden nicht menschlichen Affen in Europa. Die Herkunft der Affen ist nicht sicher geklärt. Vermutet wird, dass sie während der arabischen Herrschaft in Südspanien (711 bis 1492) eingeführt wurden. Es ist aber auch möglich, dass sie ein Überbleibsel einer Population sind, die im Pliozän Südeuropa bevölkerte.
Eigentlich haben wir vorher besprochen, dass wir den Felsen von Gibraltar nicht besuchen möchten, denn die Seilbahn fährt ab heute für 2 Jahre nicht mehr, die anderen Touren sind alles Abzocker, wie wir von "Achtung Abzocke" erfahren haben, und außerdem macht doch sowieso jeder Tourist diese Tour, weshalb es da oben super voll sein wird.
Ende vom Lied war aber, dass dieser Felsen so omnipräsent war, dass wir uns doch für eine Tour entschieden haben. Direkt an der Seilbahn wurden wir von einem eher zwielichtigen Menschen angesprochen, wo wir uns lieber schnell aus dem Staub gemacht haben.
Aber ein weiter Tourenanbieter ist schnell gefunden. Er steht an einem wunderschönen Friedhof mit ganz alten Gräbern. Der Eintritt in das Naturreservat kostet 30 Pfund (auch für die Wanderer) und die Tour mit dem Auto kostet dann nochmal 20 Pfund extra. Und ich muss sagen, jeder Pence hat sich gelohnt.
Wir fahren los, und schon bald geht es steil den Berg hinauf. Bis zu unserem ersten Stop sage ich Andi circa 5 Mal, dass ich so froh bin, nicht gelaufen zu sein. Aber wo es steil hinauf geht, erwarten einen auch sehr schöne Aussichten. Unser erster Stop komplettiert diese tollen Aussichten mit einer angenehm kühlen und sehr frischen Luft. Wir kommen nämlich zu den Säulen des Herkules.
Als Säulen des Herkules bezeichnete man im Altertum die beiden das westliche Mittelmeer begrenzenden Vorgebirge, die die Straße von Gibraltar einfassen. Der Felsen von Gibraltar und ihm gegenüber der heutige Berg Djebl Musa in Nordafrika. Nach antikem Glauben soll die Meerenge von Gibraltar das Ende der Welt gewesen sein. Im letzten der folgenden Bilder, kann man übrigens die marokkanische Küste erkennen.
Nach dem etwa 10 minütigen Stop geht es zum heutigen Highlight des Tages zumindest zusammen mit dem Skywalk. Nämlich zur St. Michaels Cave.
Früher dachten die Menschen, dass die St. Michaels Höhle keinen Boden hat. Deshalb entstand die Legende, dass der Felsen von Gibraltar durch einen unterirdischen Tunnel mit Afrika verbunden ist. Man erzählte sich auch, dass die bekannten Berberaffen durch diesen Tunnel nach Gibraltar gekommen sind. Ein früher Geograph namens Pomponius Mela schrieb schon zur Zeit Christi über diese Höhle. Es gab auch die Erzählung, dass spanische Soldaten im Jahr 1704 eine Nacht in der Höhle verbrachten, nachdem sie den steilen Felsen hinaufgeklettert waren. Eine andere Geschichte berichtet von Oberst Mitchell und einem weiteren Offizier, die vor 1840 in die Höhle hinabstiegen und nie wieder gesehen wurden. Im Zweiten Weltkrieg richtete man die Höhle als Notkrankenhaus ein, doch sie wurde nie benutzt.
Heutzutage ist die Höhle frei zugänglich für die Touristen. Sie ist wunderschön beleuchtet, und in einer 7 minütigen Lichtshow wird die Geschichte der Höhle erzählt. Auch wenn die Höhle nicht besonders groß ist, lohnt sich ein Besuch und die Lichtshow sehr.
Wir sind von der Höhle völlig hin und weg und lassen uns in alle Ruhe treiben. Wir haben hier 20 Minuten Zeit, was aber völlig ausreichend ist. Klar, man könnte immer noch länger und ausführlicher schauen, aber für einen ersten Eindruck und die Show reicht es allemal. Hier sehen wir auch die ersten Berberaffen, die sich aber überhaupt nicht für uns interessieren. Unser Guide rät uns auch, die Affen links liegen zu lassen und die Zeit lieber in der Höhle zu verbringen.
Ein Highlight jagt das Nächste. Der Skywalk liegt 340 Meter über dem Meer. Er ist höher als das höchste Gebäude in London, das „The Shard“. Von dort oben hat man eine tolle Rundumsicht auf drei Länder und zwei Kontinente. Der Skywalk wurde auf den Resten einer alten Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Er ist sehr stabil und hält starken Wind mit über 150 km/h aus. Gleichzeitig können dort etwa 340 Menschen stehen, das entspricht dem Gewicht von fünf asiatischen Elefanten. Der Boden besteht aus 42 Glasscheiben. Zusammen sind sie so groß wie etwa vier Tennisplätze. Der Weg ist 2,5 Meter breit und ragt bis zu 6,7 Meter aus dem Felsen heraus. Mit langen 70 Meter Felsankern und 30 Tonnen Stahl ist der Skywalk fest im Felsen verankert.
Von hier hat man einen tollen Blick in alle Richtungen. Auf Afrika, das Tor zum Atlantik, Gibraltar und das spanische Festland. Die Luft hier oben ist so frisch und klar, dass wir einige Atemzüge nehmen und die Sonne auf unserer Haut spüren.
Als nächstes Laufen wir zum Fütterpunkt der Berberaffen, da sich eine Taxischlange gebildet hat und unser Guide nicht zu diesem Punkt vordringt. Füttern dürfen hier aber nur die Regierung und die Guides des Nationalparks. 2x am Tag bekommen die Affen gesunde Snacks wie Möhren und Orangen vorbeigebracht. Vor den Affen hat uns nicht nur unser Guide gewarnt. Angeblich beißen sie und klauen alles, was sie in die Finger bekommen. In unserem Fall waren nur ca. 5 Affen da, und diese haben sich nicht für die Touristen interessiert. Was aber wirklich lustig war, dass die Tiere die Taxis als Transportmittel für den Weg nach oben genutzt haben und auf dem Dach mitgefahren sind.
Die Tour würde jetzt eigentlich wieder zum Ausgangspunkt unserer Reise führen, aber der Guide ist so nett, und weist uns darauf hin, dass im Eintrittspreis der Nationalparks noch 2 Museumstunnel mit enthalten sind. Wir müssen nicht lange überlegen und lassen uns an den Tunneln rausschmeißen. Diese erzählen von der Kriegsgeschichte Gibraltars. Es gibt einen nassen, alten Tunnel, der mit gruseligen Puppen von der älteren Kriegsgeschichte erzählt und einen 2 Weltkriegstunnel, in dem sogar ein Flugzeug hängt.
Nun gut, ich interessiere mich jetzt nicht so sehr für Krieg und das in Kombination mit meinen Englisch-Skills, waren die Tunnel jetzt nichts Spannendes für mich. Aber ein kurzer Blick lohnt sich auf jeden Fall. Von hier geht es dann immer weiter steil bergab, über unregelmäßige Stufen und steile Straßen, bis in die Innenstadt. Als Deutscher hätte man sich hier über genormte Treppen gefreut.
Unten angekommen hatte ich richtige Puddingbeine. Die 2,5 Km Fußweg bis zum Schiff, waren dann schon eine Herausforderung.
Aber auf mich hat ja noch ein Highlight gewartet. Ich dufte endlich wieder waschen.
juleundsocke_auf_reisen
juleschwabphotography
