Register
Was für eine Nacht. Ich habe eigentlich gut geschlafen, aber das Schwesterntreffen war dann doch so spät, dass ich erst um 23:30 Uhr deutscher Zeit ins Bett gekommen bin und dementsprechend müde heute morgen war. Der Sonnenbrand hat sein Übriges dazu getan. Wir waren dann aber trotzdem vor dem Weckerklingeln wach, so dass wir uns ganz entspannt fertig machen und frühstücken konnten, ehe es vom Schiff ging.
Direkt am Hafenterminal finden wir unseren Autovermieter, denn wir haben uns für heute einen Mietwagen besorgt, um auf eigene Faust loszuziehen. Preislich sind wir mit 89 Euro inklusive Versicherung sogar noch im preislichen Rahmen eines Ausfluges von AIDA für eine Person. Außerdem, und das ist für uns der weitaus größere Vorteil, sind wir super flexibel und können uns Dinge abseits der Touristenhotspots anschauen.
Schnell ist alles abgewickelt, das obligatorische "Schadensvideos" vom Auto gemacht, und los geht die wilde Fahrt.
Unser erstes Ziel führt uns in den Norden der Insel. Etwa 25 Minuten von Arreciffe entfernt biegen wir von der kleinen, aber gut gepflegten Landstraße auf einen kleinen Parkplatz ab. Passt aber auf, denn direkt neben der Straße sind riesige Löcher, und es gibt nur wenige Stellen, an denen ihr euch das Auto nicht kaputt fahrt. Wir kommen am Antigua Rofera an.
Bei der Antigua Rofera handelt es sich um einen ehemaligen Steinbruch, in dem über einen längeren Zeitraum Rofe (auch Picón genannt) abgebaut wurde. Rofe ist feinkörnige vulkanische Asche, die infolge der Vulkanausbrüche des 18. Jahrhunderts in großen Mengen entstand und in der Landwirtschaft genutzt wurde. Sie dient der Speicherung von Bodenfeuchtigkeit und dem Schutz von Pflanzen vor Austrocknung. Durch den Abbau entstanden Gruben, Terrassen und charakteristische Felsstrukturen. Nach der Aufgabe des Steinbruchs wirkten natürliche Erosionsprozesse weiter auf das Gelände ein, sodass heute eine strukturreiche Landschaft aus vulkanischem Gestein erkennbar ist.
5 von 5 Rabensocken. Unser Auto wird vom starken Wind hin und her geschüttelt, und wir hören die Böen pfeifen. Ich steige aus dem Auto und entscheide mich, ganz schnell eine Strickjacke anzuziehen. Der Wind ist zwar nicht superkalt, aber schon deftig. Und krank werden möchte ich ja nicht. Wir spazieren durch die skurril, geformten Gesteinsformationen und bunten Blumen. Außer uns sind nur noch 2 weitere Autos hier. So fernab der Touristenmassen, tut die Ruhe wirklich gut.
5 von 5 Rabensocken. Wir fahren weiter, denn um 11 Uhr haben wir Tickets für eine Höhle. Diese muss man zwingend Online kaufen, da vor Ort keine Möglichkeit besteht. Hier sollte man auf jeden Fall 15 Minuten eher da sein. Vor Ort gibt es Toiletten, die Temperatur beträgt ganzjährig um die 19 Grad. Solltet ihr nicht gut zu Fuß sein, oder unter Klaustrophobie leiden, solltet ihr die Höhle unbedingt meiden, denn an einigen Stellen müsst ihr gebückt gehen, euch durch schmale Gänge quetschen, oder unregelmäßige Stufen hinab gehen. Auch wenn ihr Kopfschmerzmenschen aufgrund von Luftdruck seid, könntet ihr hier Probleme bekommen. Ich kann da ein Lied von singen. Aber genug des Negativen.
Die Cueva de los Verdes ist eine berühmte Lavahöhle auf Lanzarote und Teil eines rund 6 km langen Lavatunnels, der vor etwa 3.000–5.000 Jahren durch den Ausbruch des Vulkans Monte Corona entstand. Der Name stammt nicht von der Farbe, sondern von der Familie Verde, die dort lebte. Früher diente die Höhle den Inselbewohnern als Versteck vor Piraten und Sklavenjägern. In den 1960er Jahren wurde sie vom Künstler César Manrique für Besucher erschlossen, ohne die Natur stark zu verändern. Heute kann man etwa 1 km der Höhle besichtigen und beeindruckende Lavaformationen sehen.
Fun Facts: Der Teil unter dem Meeresspiegel ist der längste unterseeische Lavatunnel der Welt, in der Höhle gibt es eine berühmte optische Täuschung, und dort lebt ein winziger blinder Krebs namens Jameito, ein echtes lebendes Fossil.
Wir fahren immer weiter ins Hinterland. Die Höhle ist hier schon ausgeschildert. Der Parkplatz ist riesig, und bis wir stehen, wurden wir schon 2x nach unseren Tickets gefragt. Organisatorisch läuft hier aber alles Tiptop. Schon um viertel vor 11 werden wir auf den Vorplatz der Höhle gelassen, damit es pünktlich losgehen kann. Mit uns, warten noch ca. 50 andere Besucher. Lange müssen wir aber nicht warten und Marco begrüßt uns auf Spanisch und auf Englisch. Er trägt ein Mikrofon mit kleinem Lautsprecher. Dieser klingt leider wie mein kaputter Handylautsprecher. Naja, viel verstehen tue ich trotzdem nicht. Marco versteht offensichtlich auch kein Englisch, denn er spult nur sein Programm ab, und als Andi eine Frage hat, schaut er ihn mit großen Augen an.
Über einen steilen Weg und anschließend unregelmäßige Stufen mit engen Passagen geht es in die erste Kammer. Auf dem Weg dorthin ist auch fotografieren verboten. Und an diese Anweisungen sollte man sich unbedingt halten.
Irgendwie erinnert mich alles an den Lavakeller in Mendig. Denn in diesem Fall handelt es sich nicht um eine Tropfsteinhöhle, sondern eine Vulkanhöhle. Hier gibt es auch keine Stalaktiten, sondern Lava, die abkühlt und in Tropfenform hängen geblieben ist. Ein erkalteter Lavastrom ist auch noch zu erkennen.
Wir werden durch verschiedene Kammern geführt. Mal gebückt, mal durch so riesige Gänge, dass man hätte übereinander stehen können. In der größten Halle sind ca. 300 Stühle aufgebaut. Hier finden regelmäßig Konzerte statt. Wir können hier kurz verschnaufen, während wir gregorianischen Gesängen lauschen. Nach einigen Minuten geht es weiter zu einem unterirdischen See und zu einer optischen Täuschung, die ich hier nicht verraten werde, die mich aber echt fertig gemacht hat. Nach 50 Minuten treten wir dann den steilen Rückweg an die Oberfläche an, wo uns direkt ein frischer Wind begrüßt.
3 von 5 Rabensocken. Unser Weg führt uns immer weiter ins Gebirge. Genauer gesagt zum Mirador del Rio. Hierbei handelt es sich um einen Aussichtspunkt mit Restaurant, der vom Künstler Caesar Manrique erbaut wurde. Hierfür muss man aber um die 20 Euro Eintritt zahlen. Wir sind Sparfüchse, weshalb wir einfach auf den benachbarten Berg fahren. Hier haben wir den selben Blick nur vollkommen kostenfrei. Mirador del Rio ist von hier auch zu sehen. Die Aussicht ist wirklich spektakulär, aber da man hier außer einem kurzen Blick nichts tun kann, würde ich es nicht empfehlen, wenn ihr dafür einen großen Umweg machen müsst.
4 von 5 Rabensocken. Für 16 Euro pro Person besuchen wir das Aquarium in Costa Teguise. Der Preis ist für dieses kleine, aber feine Aquarium ist vollkommen angemessen. Hier befinden sich 36 großzügig angelegte Becken, die allesamt sehr schön dekoriert sind. Außen wie innen. Das Wasser ist sehr klar und alles wirkt gut gepflegt. Was uns aber besonders gut gefällt, war die Ruhe. Denn hier ist kaum was los, und so haben wir alle Zeit der Welt, um ausgiebig alle Fische zu bewundern.
Ansonsten gibt der Ort aber nicht viel hier. Obwohl hier super viele Hotelanlagen stehen, gibt es kaum Geschäfte. Die wenigen vorhandenen Shops wirken ranzig und ungepflegt. Außerdem sind wir hier sowieso nicht richtig, denn die Engländer scheinen hier eingefallen und sich eingenistet zu haben.
5 von 5 Rabensocken. Las Grietas sind eine geologische Formation in der Nähe von Montaña Blanca zwischen den Gemeinden San Bartolomé und Tías. Es handelt sich um mehrere schmale, Schlucht artige Spalten im vulkanischen Gestein, die durch das Abkühlen und Zusammenziehen von Lava entstanden sind. Während des Erstarrungsprozesses kam es zu Spannungen im Gestein, wodurch Risse entstanden, die sich im Laufe der Zeit durch Erosion weiter ausgeprägt haben. Im Gegensatz zu vielen Schluchten, die durch Wasser geformt werden, sind Las Grietas überwiegend das Ergebnis vulkanischer Prozesse. Die Formation besteht aus drei Hauptspalten, die nur wenige Meter voneinander entfernt liegen und teilweise sehr eng sind. Die Wände bestehen überwiegend aus Basalt, einem typischen vulkanischen Gestein. Aufgrund der besonderen Form und der Lichtverhältnisse innerhalb der Spalten sind Las Grietas ein bekanntes Ziel für Besucher und Fotografen. Der Zugang ist frei, und der Ort wird heute vor allem als geologisches Naturdenkmal und landschaftliche Besonderheit wahrgenommen.
Ich habe zwar im Vorfeld Bilder von diesem Ort gesehen, aber diese kamen nicht mal annähernd an das Original heran. Aber von Vorne. Wir starten beim Aquarium und fahren vorbei an Arrecife und dem Flughafen. Es geht wieder ins Gebirge, vorbei an kleinen Dörfern mit weißen Häusern. Laut Google Maps ist der Parkplatz zwar dauerhaft geschlossen, aber man kann nach wie vor problemlos dort parken. Aber auch hier gilt Achtung vor Schlaglöchern.
Wir fahren den kompletten Parkplatz bis zum Eingangsschild durch, denn so haben wir uns circa 500 Meter Fußweg gespart. Der Weg zum Grand Canyon, wie ich ihn nenne, hat es aber trotzdem in sich. Es geht circa 200 Meter den Berg steil hinauf. Dazu bläst ein derart starker Wind, dass dessen Böen einen fast aus dem Tritt bringen.
Aber es lohnt sich. Mit jedem Schritt werden die Risse größer und spektakulärer. In den leicht zu begehenden Rissen tummeln sich auch einige Touristen und machen Fotos. Leider sind diese so eng, dass man erst alle Menschen rauslassen muss, ehe man selbst hinein kann.
Etwas abseits entdeckt Andi dann noch einen Riss, der zwar sehr eng, aber auch sehenswert ist. Wir klettern also hinein und schauen uns die Sache an. Nach circa hundert Metern ist aber Schluss, und wir müssen umkehren. Die Fotos und Erinnerungen sind aber unbezahlbar. Auf dem Rückweg entdecken wir dann noch ein kleines Feld mit Steintürmen. Wir bauen auch einen Turm und verewigen und so hier in Lanzarote.
Die Zeit schreitet immer weiter voran, weshalb wir den Heimweg antreten. Auf dem Schiff gibt es dann erstmal lecker Essen. Wir wollen es uns noch etwas an Deck gemütlich machen, aber die Sonne ist mittlerweile verschwunden und der Wind pfeift kalt über uns hinweg. Dafür bekommen wir einen tollen Sonnenuntergang und später ein wundervolles Auslaufen zu sehen.
Leider folgt jetzt die Durchfahrt durch die Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura. Die so genannte La Bocaina. Schön ist, dass man gleichzeitig die hell erleuchteten Orte von Lanzarote und Fuerteventura sehen kann. Leider bedeutet das auch, dass hier mit erhöhtem Wellengang rechnen kann. Und leider bestätigt sich das auch. Alle Menschen schwanken in den Gängen von links nach rechts und wieder zurück. Zum Glück habe ich meine No Name Seabands. Ich bin ehrlich, ich war sehr skeptisch. Aber sie scheinen zu funktionieren. Das blöde Gefühl ist aber trotzdem noch da. Und dieses Geschaukle hält sich leider noch die ganze Nacht, weshalb alles knarpst und knirscht.
juleundsocke_auf_reisen
juleschwabphotography
